Piz Palü

Unterwegs im Festsaal der Alpen. Mit einem guten Freund auf Frühjahrskitour zum Piz Palü in der Schweizer Bernina-Gruppe.

Am vergangenen Donnerstag sind wir über den Fernpass und die kleinen Straßen der Schweiz nach Graubünden gefahren. Unser Ziel war die Bernina-Gruppe und im Speziellen die Skitour auf den Piz Palü mit seinen 3.900 Metern, der schon lange auf meiner Liste stand.

Tag 1: Nach 3,5 Stunden Anreise bis zum Ausgangspunkt am Hotel Morteratsch fällt uns ein, dass wir ja in einem Nicht-Euro-Land sind und wir noch mal lokales Geld brauchen. Der Wechselkurs wird auf der Hütte wohl schlecht sein, die Schweiz ist ja schon teuer genug, also nochmals zum Geldautomaten. Zurück am Hotel kaufen wir uns ein 3-Tagesticket für 21 Franken (!).

 

Wo ist eigentlich der Gletscher hin?

Blick auf Piz Palü und den Morteratsch-GletscherMit Ski und sonstigen Gerödel am Rucksack geht es in Skistiefeln zunächst auf dem breiten Wanderweg Richtung Gletscher. Nach etwas mehr als einer Stunde und 2,5 km stehen wir endlich auf der Gletscherzunge, können die Ski vom Rucksack nehmen und in die Bindungen steigen. Die Skitour kann beginnen. Vor 100 Jahren ging der Gletscher noch bis zu dem Punkt, wo heute das Hotel steht. Der Gedanke macht in diesem Moment traurig. Über den Morteratschgletscher geht es dann gemütlich in leichter Steigung aufwärts. Wir lassen das erste große Spaltengebiet links liegen, das unter dem Schnee wie eine stürmische See mit meterhohen Wellen aussieht. Wir laufen bis auf Höhe des Persgletscher, der von uns aus gesehen von links auf den Morteratschgletscher zuläuft. Seit zwei Jahren berühren diese mit ihrem Eis sich nachweislich nicht mehr.

Skitour in der Bernina-Gruppe

Die vor uns liegenden Hängegletscher und Gipfel von Piz Pälü, Bellavista und Bernina blicken trotzdem imposant auf uns herab. Die Ecke heißt nicht umsonst “Festsaal der Alpen”. In der Sonne glitzern diese Eisgiganten noch mehr. Ehrfürchtig blicken wir zurück. Nun biegen wir auf unserer ersten Skitour scharf rechts ab und queren den Gletscher Richtung Mörane, hinter der die Bovalhütte bereits gut zu sehen ist.

Interessante Formationen auf dem Morteratsch-Gletscher

Die Hütte hatte gerade aufgemacht und wir sind tatsächlich die ersten beiden offiziellen Gäste in diesem Winter. Der Winterraum war zwar nach Aussage des Hüttenwirts in den vorherigen Wochen bereits gut belegt, so dass die ganzen Holzvorräte nahezu aufgebraucht waren, aber es haben sich nur eine Handvoll Leute ins Hüttenbuch eingetragen und selten einen Obulus hinterlassen. Die Hütte ist sehr einfach, aber die Hüttenleute dafür sehr freundlich und servieren uns ein großes Abendessen das wir kaum verdrücken können. Das sollte doch Kraft für den nächsten Tag und die nächste Skitor geben.

Keine optimalen Bedingungen für den Gipfel

Tag 2: Für Freitag war zwar gutes Wetter angesagt, aber auch viel Wind. Wir wollen es trotzdem versuchen, weil Samstags zu befürchten ist, dass die Scharen von der Bergstation der Diavolezza einfallen würden und das gleiche Ziel haben werden. Um 7 Uhr starten wir von der Hütte und queren wieder den Morteratschgletscher um auf den Persgletscher zu wechseln. Nach einigen anstrengenden Querungen stehen wir schon mitten auf dem Gletscher, der schon jetzt eine tolle Firnabfahrt verspricht. Noch ist es ruhig und kaum ein Mensch zu sehen, doch je näher wir an der über uns liegenden Diavolezza vorbei kommen, sehen wir schon mehrere Seilschaften mit dem gleichen Ziel. Bis auf eine Höhe von 3.000 Metern geht es relativ flott, aber jetzt wird es ernst und der Eisbruch des Piz Palü mit seinen gewaltigen Spalten und seinen steil aufragenden Eistürmen flößt Respekt ein.

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Im ZickZack und engen Spitzkehren geht es durch das zerklüftete Gletscherfeld. Leider kommen zum Wind auch immer mehr Wolken hinzu und wir sehen den Gipfel nur verhüllt ohne auch nur einmal seine Spitze erblicken zu können. Wir erreichen eine flachere Passage, aber sind jetzt auch immer mehr dem auffrischenden Wind ausgesetzt, der mit Windstärke 5 bis 6 bläst. Unsere Schritte werden langsamer und auch zweifelnder. Auf ca. 3.500 Meter stimmen wir überein, dass ein Weitergehen auf dieser Skitour keinen Sinn mehr macht und wir streichen leicht verfroren die Segel und fellen die Skier ab.

Umzudrehen schmerzt, aber die gemachten Höhenmeter sollten dafür umso schöner in der Abfahrt werden. Zunächst gibt es schönen fluffigen Powder und weiter unten gleiten wir auf traumhaften Firn über den Gletscher. Angekommen auf dem Morteratsch-Gletscher ist es windstiller und wir rasten in der Sonne bevor es wieder zurück zur Bovalhütte geht. Den Schnaps haben wir uns trotzdem verdient.

Einsamkeit unweit der Massen

Skitour in der Bernina-Gruppe

Tag 3: Wir haben beide schlecht geschlafen, einen zweiten Versuch für den Piz Palü verschieben wir auf ein anderes Mal. Er läuft ja nicht weg. Stattdessen brechen wir Richtung Norden zum Piz Chalchagn (3.154m) auf. Ein Schweizer Bergführer mit zwei Gästen ist vor uns und weist uns zum Glück den Weg, denn durch das leicht ansteigende und kupierte Gelände wäre der ideale Weg auf dieser Skitour gar nicht so einfach zu finden. Nach zwei Stunden deponieren wir einen großen Teil unseres Gepäcks unweit der Abfahrt und rüsten uns für den 30°-steilen Gipfelhang.

Die letzten Meter auf der Skitour zum Piz Chalchagn

Die letzten 450 Höhenmeter geht es in engen Spitzkehren den noch leicht vereisten Hang nach oben. Harscheisen wären hier keine Schande, aber mitten im Hang steht man doch zu wackelig, um es sich nochmals anders zu überlegen.

Auf dem Gipfel des Piz Chalchagn

Oben am Gipfel angekommen gibt es beste Rundumsicht bei strahlender Sonne und Windstille, so dass wir uns kaum wieder trennen möchten.

In der Abfahrt gibt es ein weiteres Mal beste Frühlingsbedingungen mit feinstem Firn gefolgt von engem Slalom auf Nassschnee durch die Steine bis zur Waldgrenze. Dann ist leider Schluss und wir schultern wieder unser gesamtes Gepäck samt Skier auf und wandern die letzten 500 Höhenmeter zu Fuß durch den Wald bis zum Ausgang nach Morteratsch. Wie Aliens stehen wir bald mitsamt unserer gesamten Beladung vor den ersten Wanderern.

 

Fazit: Auch wenn es mit dem Gipfel des Piz Palü diesmal nicht geklappt hat, war es dennoch eine super Skitour, die ich sicherlich wieder so oder in ähnlicher Weise machen werde. Leider fehlte diesen Winter doch viel Schnee hier in dieser Ecke bzw. ist dieser schon sehr früh ausgeapert.

 

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