Isi & Jonic

Isi und Jonic sind mit ihrem umgebauten Van ein Jahr quer durch Südamerika gereist. Im Interview erzählen sie darüber.

Das Leben ist ein Hamsterrad, geprägt von Arbeit, Terminen und Verpflichtungen. Wer träumt nicht davon, mal seine Sachen zu packen und auf unbestimmte Zeit hinaus in die weite Welt zu fahren ohne festes Ziel zu reisen. Viele träumen nur, Menschen wie Isi und Jonic machen es.

LvD: Es scheint mir eine Ewigkeit zu sein, dass ihr beiden unterwegs seid. Seit wann seid ihr jetzt mit eurem Bus unterwegs und wo steckt ihr gerade?

Jonic: Wir sind jetzt neun Monate, seit Mitte August ’15, mit unserem 92iger Toyota Hiace in Südamerika unterwegs. Los ging es in Uruguay, Montevideo, wo er mit dem Containerschiff aus Hamburg ankam. Dann eher kreuz und quer: Durch Uruguay, ein bisschen Brasilien, lange in Patagonien, sowie runter und rauf durch Argentinien und Chile. Seit zwei Wochen sind wir jetzt in der chilenischen Atacamawüste.

Interview mit Isi und Jonic über das Reisen

LvD: Das ist schon eine echt lange Zeit. Woher kam denn der Entschluss, die Idee diese Reise zu machen und mit welchem persönlichen Ziel seid ihr damals gestartet?

Isi: Naja, die Idee einfach mal für länger weg zu sein als die 2-3 Wochen Urlaub, ist wohl da seit dem ersten Tag, an dem wir zum Arbeiten angefangen haben.

Das Bedürfnis mit dem eigenen Allradauto durch die Gegend zu fahren, kam uns ziemlich schnell als wir in vergangenen Urlauben in vollgestopften Tourbussen zack zack von einer “Attraktion” zur anderen geschleust wurden. Zwischen Entschluss und Losfahren vergingen dann knapp 4 Jahre sparen.

“[…] einfach die Zeit zu haben auch mal eine Stunde einer Blume beim Wachsen zuzusehen oder an einem schönen Wildcampspot ohne Druck auch mal 3 Tage zu bleiben bis man jeden Stein kennt.”

Kleine Ziele gab es viele: Endlich alle Bücher lesen, besser Spanisch lernen, mehr Sport machen, mit minimalistischsten Dingen auszukommen, zu verstehen wie ein Auto funktioniert usw., einfach wofür man sonst keine Zeit hatte. Erreicht haben wir manche mehr und manche weniger. Das große Ziel war aber vielleicht, so pathetisch das klingt, einfach die Zeit zu haben auch mal eine Stunde einer Blume beim Wachsen zuzusehen oder an einem schönen Wildcampspot ohne Druck auch mal 3 Tage zu bleiben bis man jeden Stein kennt. Raus aus dem Stress und der Tristesse der Zivilisation, um unter freiem Sternenhimmel die Stille zu spüren.

 

LvD: Ihr habt gerade nochmals euren Bus angesprochen. Erzählt mal darüber mehr und wie ihr den nach Südamerika gebracht habt. Kommt ihr damit in die allerletzte Ecke der Wildnis und kommen normale Campingplätze für euch überhaupt in Frage? 

Jonic:  Unseren roten Toyota mit Küche und Klappdach haben wir ein halbes Jahr vor der Reise von Freunden gekauft und ihn an den Wochenenden bisschen weiter aus- und umgebaut. Er hat eine bessere Dämmung und ein paar Spielereien sind auch drin. Mit einem Spediteur haben wir ihn dann relativ simpel von Hamburg nach Montevideo in Uruguay verschiffen lassen. Er sieht einem VW T4 ziemlich ähnlich, nur etwas länger. In Lateinamerika macht er mehr Sinn als ein VW, da du hier leicht alle Ersatzteile bekommst, was bei einem VW schwierig werden kann. Außerdem würden wir mittlerweile behaupten, dass diese Hiace unkaputtbar sind. Wir hatten in all der Zeit gerade mal einen gebrochenen Auspuff.

Interview mit Isi und Jonic über das Reisen

Wichtig für uns war der zuschaltbare Allradantrieb mit Geländeunterstützung und Offroadreifen. Es hat zwar eine Zeit des Herantastens gedauert, aber mittlerweile ist es unglaublich wohin dieses Auto überall kommt. Ob 5000m-Berg, Salzwüste oder Flussdurchquerungen, kein Problem für den Kleinen.

Eigentlich steuern wir nur Wildcampspots an. Nach einigen Tagen muss man aber eben doch mal Benzin und Wasser tanken. Und freut sich auf eine Dusche und ein Bier. Wobei es die besten Duschen bei den Tankstellen gibt. Campingplätze steuern wir also nur an, wenn es gar nicht anders geht.

Leider werden wir ihn auch hier verkaufen, den Rückflug damit finanzieren und ziemlich pleite und happy nach München kommen.

LvD: Einfach dort hinzufahren und überall dort stehen zu bleiben, wo es einem gefällt, klingt nach dem ultimativen Traum. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass nicht immer alles glatt läuft. Was sind denn die Schattenseiten der Reise bisher so gewesen? Auf welche Schwierigkeiten seid ihr so gestoßen?

Isi: Abgesehen von den Schwierigkeiten, die sich nun mal so ergeben, wenn Mensch zu zweit auf engstem Raum lebt, schläft und isst, ist es natürlich nicht so, dass wir immer unter der Milchstraße zwischen Lamas und Wildeseln schlafen, sondern in urbanen Zonen eben auch an Tankstellen, Parkplätzen oder am Marktplatz mal übernachten müssen. Auf dem Parkplatz ist es eher nervig auf die Dunkelheit warten zu müssen bis ich pinkeln kann ohne dass die Welt dabei zuschaut. Das selbe gilt fürs Duschen. Als Frau die Truckerduschen an den Tankstellen zu nutzen ist oft erst nach Diskussion möglich und wird von üblen missgelaunten Blicken begleitet.

Die Schattenseiten für mich lassen sich also auf die Fragen “wo geh ich heute aufs Klo?” und “wann und wie gibt es eine Dusche?” reduzieren. Das bedeutet umgekehrt, dass eine Dusche, die nicht eiskalt wird wenn jemand spült nachdem er ordentlich in die Kloschüssel gemacht hat, mich sehr glücklich macht!

Interview mit Isi und Jonic über das Reisen

Jonic: Alle Befürchtungen und Warnungen von Familie & Co. sind schon mal nicht passiert. Wir sind bisher nicht einmal übers Ohr gehauen, beklaut oder auch nur blöd angeredet worden. Im Gegenteil: nach 5 Minuten Unterhaltung sind wir zum Familienessen eingeladen worden oder Mechaniker haben etwas repariert und wollten partout kein Geld dafür haben.

“Wir sind bisher nicht einmal übers Ohr gehauen, beklaut oder auch nur blöd angeredet worden.”

Meine “Grenzmomente”, wenn man das so sagen will, waren, wenn wir uns durch menschliches Versagen (meins) mitten im Nichts doch eingegraben hatten. Zweimal. Einmal Nachts am Ufer eines Salzsees, bei dem ich Schiss hatte, dass wir weiter in den See sinken. Und einmal als wir so blöd waren und trotz aufkommendem Mega-Sturm nachts einen versandeten Küstenweg langfuhren, fast stecken blieben und die Nacht vom Sturm durchgeschüttelt wurden. Dann bekommt man doch Panik, weil eben kein Mensch sonst da ist.

LvD: Das klingt nach vielen vielen coolen Geschichten. Lassen wir mal jetzt die schlechten Sachen wieder beiseite. Was waren denn in den letzten Monaten die Highlights für euch, also sowohl von der Natur als auch von der Reise an sich?

Isi: Puh…das ist die schwerste Frage von allen. Wir könnten jetzt dutzende Namen einfach aufzählen. Und in höchsten Dichterwörtern beschreiben. Das letzte waren sicher die Hochlandtäler um Potosi in Bolivien. Gefaltete Steinschichten in allen Farben, wie Regenbögen aus Fels. Oder 5 Tage auf dem Salar de Uyuni zu verbringen. Sonnenuntergänge und Vollmond in der Salzkristallwüste. Die Gletscher-durchzogenen Rotbuchenwälder in Patagonien, mit gelbgrünen Papageien in den Baumkronen. Die Insel Chiloe in Chile, die Nasenbären in Iguazu, die Sonnenuntergänge… überall. Also wir können es nicht sagen ohne ein Buch zu schreiben. Highlight… ist schlicht hier zu sein und einfach loszufahren, wann man will.

LvD: Falls jemand eine ähnliche Reise wie ihr beide unternehmen möchte, welchen einen Tipp oder Rat würdet Ihr beide demjenigen auf den Weg geben?

Jonic: Hmmm, tausende Tipps zum Auto, zu Reiserouten, Apps, und so einiges. Wenn jemand etwas Ähnliches echt machen will, könnte er oder sie ja an euren Blog und ihr an uns schreiben. Aber der große Tipp ist: Egal ob du allein bist, frisch verliebtes Pärchen, 50 Jahre verheiratet, ob mit Kinder oder mit Hund: sparen, Sachen packen und los geht’s!

LvD: Perfektes Schlusswort. Danke für das Interview.

 

Wer ähnliches plant wie Isi & Jonic und eine Frage hat oder Tipps braucht, der kann uns gerne einen Nachricht schreiben und wir leiten diese gerne an die beiden weiter.

Wer mehr über Stories über das Reisen mit dem eigenen Camper lesen möchte, dem empfehlen wir die englischsprachige Seite Go Van.

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