La Palma

Tourenbericht zu einer perfekten Freeride-Woche auf der kanarischen Insel mit abwechslungsreicher Natur und fetten Trails.

Mountainbiken auf La Palma ist großes Kino und die Trails sowie die fast ganzjährig optimalen Bedingungen stellen viele Mountainbike-Destinationen locker in den Schatten. Mittlerweile im vierten Jahr in Folge komme ich im Spätwinter mit Freunden auf die Insel, um möglichst fit in die neue Saison einzusteigen. Allerdings haben wir dieses Mal unsere Mountainbike-Woche etwas später auf den April gelegt. Erstens wird damit die Skitouren-Saison nicht unterbrochen (es könnte ja Powder kommen!) und dieses Jahr wollten wir endlich in den Norden der Insel. Ab April ist hier das Wetter nicht mehr so sehr feucht und instabil, so dass wir gute Chancen auf neue Trails hatten.

Mit dem Mountainbike auf La Palma

Die Wetteraussicht hätte auf jeden Fall bei unserer Ankunft nicht besser sein können. Wie immer waren wir bei Magic Bikes in Los Llanos. Sigi, der Chef von Magic Bikes, hat hier mit seinem “El Porvenir” ein kleines Mountainbike-Paradies geschaffen. Schöne Zimmer, bestes Frühstück, eine angeschlossene Werkstatt und Top-Bikes zum Ausleihen. Auf Letzteres haben wir auch zurückgegriffen. Wir alle bekamen ein Giant Reign, die top gewartet sind und sich mit viel Federweg als ideale Wahl für die harten Trails auf der Insel erwiesen, aber sich, wenn nötig, auch noch gut hoch pedalieren lassen.

Zum Warmfahren (!) ging es am ersten Tag dann gleich mit dem Shuttle hoch auf den Roque, um dann über die “Kante” bis nach Tazacorte abzufahren. Härter kann man nicht anfangen! Sigi guidete uns höchstpersönlich und damit war Spaß garantiert. Die Abfahrt bietet alles von losem Geröll und hohen Stufen, über flowigen Waldboden, verblockte Passagen und schmalen Singletrails bis hin zu engen Spitzkehren hoch über dem Meer. Nach den spätestens 2500 Tiefenmeter waren Mensch und Mountainbike perfekt eingefahren und wir für den ersten Tag auch wirklich gut bedient aber extrem glücklich.

Mit dem Mountainbike auf La Palma

Der Norden ruft

Mit dem Mountainbike auf La PalmaJetzt sollte endlich der Norden in Angriff genommen werden. Sigi war auch extrem heiß darauf mal wieder in diese Ecke seiner Heimat zu kommen. Die Saison auf der Insel ist leider meist schon vorbei und es kommen nicht mehr viele Gäste, wenn das Wetter eine Nordtour endlich möglich machen würde. Wir hatten den Luxus die einzigen drei Gäste zu sein, so packten wir Räder und Gepäck in seinen Allrad-Bully. Sigis Frau hat sich freundlicherweise als Fahrerin für die Tage angeboten und schon ging es morgens hoch zum Pico de la Nieve, von dort dann in der ersten Abfahrt Richtung Osten nach San Juan. Anschließend nochmals hoch mit dem Bully zum gleichen Ausgangspunkt und dann wieder runter auf dem Mountainbike nach San Andres, wo auch unsere Unterkunft für die nächste Nacht war.

Adrenalin auch mal bergauf statt nur bergab

Mit dem Mountainbike auf La PalmaAm dritten Tourentag stellten wir uns die Frage was abenteuerlich war: die Fahrt rauf oder runter. Der Allrad-Bully sollte ja auch genutzt werden und so wurde morgens von der Asphaltstraße auf einen Feldweg abgebogen und wir zuckelten über zwei Stunden lang über steile Schotterpisten und Waldpfade Richtung Pico de la Cruz. Die folgende Abfahrt ging dann über 2000 Tiefenmeter bis fast ans Meer nach El Tablado und bot wieder alles was La Palma in Sachen Trails zu bieten hat. Die körperlichen Blessuren wurden allerdings auch größer und wir kamen langsam in jeglicher Hinsicht an unsere Grenzen. Spaß hatten wir aber immer noch.

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Normalerweise sollte jetzt ein Pausentag kommen, aber wir sind ja zum Mountainbiker hier und so hat sich Sigi erbarmt, nochmals mit uns eine Extratour vom Pico de la Nieve nach El Paso einzulegen. Von dort konnten wir uns wieder zurück nach Los Lanos ins El Porvenir rollen lassen. Am nächsten Tag hat dann unser argentinischer Guide Daniel übernommen, der mit uns auch auf dem Roque war. Zuerst ging es über einen relativ neuen Trail namens “Welcome to the Jungle” auf die Ostseite der Insel, am Nachmittag dann wieder mit dem Shuttle zum Ausgangspunkt und auf die Westseite über den Campingtrail – ein Klassiker – zurück nach Los Llanos. Der Süden ist deutlich trockener und Staub und Sand findet sich bald überall am Körper.

Mit dem Mountainbike auf La Palma

Vorderbremse auf und das MountainBike in der Spur halten

Mit dem Mountainbike auf La Palma

Leider kam dann schon der letzte Tag und mit der südlich verlaufenden Vulkanroute vom Deseada bis zum Meer nach Fuencaliente nochmals ein richtig hartes Ding. Ausnahmsweise mussten wir ein großes Stück der Höhenmeter diesmal selbst tretend oder tragend machen und wir merkten, dass wir in den letzten Tagen ordentlich Körner gelassen hatten und bei mir war auch noch eine Grippe im Anmarsch. Nicht rumheulen, sondern durchziehen! Die Abfahrt verläuft meist auf einem Mix aus tiefem sandigen Boden und Lava-Gestein, d.h. Vorderbremse auf und möglichst den Reifen in der Spur halten, so dass ein Gefühl von Skifahren aufkommt. Ich werde zwar auch nach vier Jahren kein großer Freund vom “Sandsurf”, aber man lernt fahrtechnisch unheimlich dazu und sein Gefährt unter Kontrolle zu halten.

Wir hatten eine perfekte Woche und an sechs Tourentagen kamen knapp 15.000 Tiefenmeter auf feinsten Trails zusammen, die nicht abwechslungsreicher hätten sein können. Mein Dank geht neben meinen zwei Mitstreitern Matze und Atze an Sigi von Magic Bikes und seine Frau Annemarie. Wir kommen wieder.

Verständlicherweise werde ich die genannten Touren hier nicht mit GPS-Tracks veröffentlichen, da es sich um geführte Touren handelt. Wer eine persönliche Empfehlung oder mehr Informationen zu La Palma möchte, kann mich gerne über die Kontakt-Seite anschreiben.

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