Berny

Interview mit Berny Stoll, Mountainbikeguide und Freerider, über Konflikte auf den Trails und den aktuellen E-Mountainbike-Hype.

Die Alpen und Berge im Generellen sind ein einzigartiges Geschenk und ein riesengroßer Spielplatz, um unsere Grenzen auszuloten. Manche Menschen pushen sich Sommer wie Winter, um alle Facetten der Natur in vollen Zügen zu erfahren. Berny ist mit Sicherheit einer von Ihnen. Interview mit Berny Stoll.

LvD: Nach deiner Seite www.powder-trails.de zu urteilen hast du Sommer wie Winter immer viele Projekte. Wir haben jetzt Mitte/Ende März und der Frühling kündigt sich schon an. Beginnt für dich jetzt die innerliche Zerreissprobe ob du dich schon auf das Biken oder noch auf den Schnee konzentrieren sollst? Wie gehst du damit um?

Berny: Ja, dieser Winter ist schon sehr speziell, ständig im On/Off-Modus. Wobei die beste Jahreszeit ist ja eigentlich für mich der März, April und Mai, oder doch der Juni? Jetzt ist die gute Zeit für steile alpine Abfahrten. Ich hab da noch ein paar Projekte, die vielleicht diese Saison noch verwirklicht werden können. Im Frühling wechsle ich aber noch ständig die Sportgeräte. Heute hatte ich einen ganz netten Tag auf meinen Hometrails mit Freunden auf dem Bike und diese Woche steht noch ein Karwendel-Projekt an.
Wie auch immer… Bei uns im Paradies hat man ja die Qual der Wahl.

Interview mit Berny Stoll

LvD: Du bist viel mit den Jungs und Mädels von Flow Valley im “Paradies” auf Tour. Ihr zeigt mit euren Bildern wie schön die Bayerischen Voralpen für das Mountainbiken sind. Was könnten die örtlichen Touristiker, Almwirte und auch der DAV deiner Meinung nach denn hier für das Biken tun?

Berny: Das ist echt eine verzwickte Frage. Bei dem Thema hat jeder eine andere Meinung und neue Ideen, aber ich denke man muss hier einfach noch mal ganz unten anfangen, um aufzuklären was wir eigentlich machen und was wir überhaupt wollen. Da fehlt es nämlich überall, weil wirklich niemand Bescheid weiß. Es muss grundsätzlich ein Konzept geben, im Konkreten eine Legalisierung und Genehmigung für bestimme Bikestrecken. Die Franzosen sind da ganz gut und haben hier ausgewiesene Bikerouten, z.B. Wanderwege, die für Biker gesperrt sind und anders rum. Da gibt es einfach für alle genügend Auswahl.

Es muss grundsätzlich ein Konzept geben, im Konkreten eine Legalisierung und Genehmigung für bestimme Bikestrecken.

Die Politik ist hier auf jeden Fall in der Pflicht, also bei uns vor allem die Gemeinden oder das Land. Die sind die wichtigsten Leute vor Ort und die am Drücker sind, die zwar das Ganze nicht komplett machen müssen, aber zumindest starten können.

 

LvD: Du führst selbst Biketouren und Snowboardtouren, bist also nah dran am Geschehen. Was sind deine Gedanken, auch gerne kritisch, zur wachsenden Nachfrage nach dem ultimativen Erlebnis am Berg? 

Berny: Im Winter sind Splitboard- oder Skitouren mittlerweile ein Massensport geworden. Da wird sich der Weg auf jeden Fall zum Positiven entwickeln, weil einfach generell die Leute mittlerweile viel besser ausgerüstet und ausgebildet sind. Die Leute gehen zum Glück jetzt zum größten Teil mit der richtigen Kompetenz und Herangehensweise in die Berge.

Beim Thema Mountainbiken denke ich, wird noch einiges passieren, nur realisieren wir das noch nicht wirklich. Die E-Bike-Welle ist stark am Kommen und kommt schnell. Deswegen würde ich sagen, dass der Markt, so wie er bis jetzt ist, richtig gut ausgestattet ist mit Technik und Material, bei Enduro-Rennen beispielsweise. E-Biken auf der anderen Seite spricht mittlerweile so viele Gruppen an, was bisher noch niemand wirklich erwartet, aber sicherlich kommen wird.

Interview mit Mountainbikeguide und Freerider Berny Stoll

LvD: Du machst immer sehr viele Projekte in den Alpen im Winter wie auch im Sommer. Was war dein bisher größtes alpinistisches Projekt oder bestes Erlebnis, auf das du so zurückblickst?

Berny: Mein bestes Erlebnis war sicherlich bisher eine Snowboard Expedition in Peru. Wir waren zeitmässig noch vor allen anderen Leuten dort, also mitten im Winter, und wir waren tagelang ganz alleine unterwegs. Eine der größten Herausforderungen war sicherlich Klettern und Abfahren auf dem Toclaraju auf über 6.000 Meter. Vom Zustieg bis zur allgemeinen Logistik und natürlich die Kletterschwierigkeiten war das sicherlich das Heftigste was ich bisher so gemacht habe.

LvD: Was ist dein nächstes größeres Ziel, egal ob auf dem Bike oder auf dem Snowboard?

Interview mit Mountainbikeguide und Freerider Berny StollBerny: Momentan hab ich jetzt noch mal Lust nach Chamonix zu fahren und da ein paar klassische steile Sachen abzuhaken und überall das was ich noch nicht gesehen oder wo ich noch nicht war.

Einfallen würde mir da natürlich Aiguilles du Midi Nord aber auch im Argentiere-Kessel gibt es einen Haufen coole Sachen, die mir so vorschweben.

LvD: Wenn du die Gelegenheit hättest, mit wem würdest du mal ein Interview führen und ein paar Fragen stellen?

Berny: Beim Snowboarden oder Tourengehen ist das Jeremy Jones. Der ist ziemlich cool unterwegs und das würde mir taugen.

 

Danke an Berny für das Interview!

Berny ist Mountainbike-Guide im Sommer und Splitboard-Tourenführer im Winter und zeigt seinen Gästen die schönsten Seiten der heimischen Alpen, bietet aber auch exklusivere Tourenwochen an, wie z.B. Freeriding auf La Palma. Daneben unternimmt er Expeditionen in entlegenere Ecken mit dem Bike oder dem Splitboard. Mehr darüber zu lesen sowie seine Tourenangebote findet man auf www.powder-trails.de.

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