Adrian

Nur wenige Fotografen schaffen es heutzutage noch uns mit ihren Bildern immer wieder zu begeistern. Adrian Greiter gelingt dies regelmäßig und zeigt uns wie schön die Berge vor der eigenen Haustür sind.

Ich habe mich mit Adrian Greiter, professioneller Fotograf, über seine Bilder und den Spaß am draussen sein unterhalten.

LvD: Servus Adrian, ich fange mal easy an… erzähl doch mal wie es bei dir mit der Fotografie angefangen hat. Was war zuerst da? Die Faszination für die Berge oder die Fotografie?

Adrian: Ganz klar die Fotografie, die habe ich durch meine Eltern quasi in die Wiege gelegt bekommen, bin damit aufgewachsen. Deshalb war es für mich auch nie eine Frage, was ich nach der Schule werden wollte: Fotograf! Die Berge kamen erst deutlich später, während meines Studiums dazu und ich habe die beiden Bereiche auch sehr lange strikt von einander getrennt, weil die Berge für mich immer Erholungsraum waren und ich nicht auch noch in meiner Freizeit mit der Kamera vor dem Gesicht und der Motiv-Schere im Kopf rumlaufen wollte. Irgendwann hatte ich dann aber so viel Lust, mein Erleben am Berg auch fotografisch festzuhalten (und auch die richtigen Leute an meiner Seite, die da ebenfalls Spass daran hatten und sich gerne als „Models“ zur Verfügung stellten), dass ich alle Bedenken über Bord geworfen habe und begann, die Kamera mit auf den Berg zu nehmen. Seitdem ertappe ich mich an fast jedem Tag, den ich mit der Kamera draußen unterwegs sein darf, irgendwann bei der Frage, warum ich diesen Schritt nicht schon viel früher gegangen bin. Denn die Arbeit draussen in der Natur, zusammen mit Leuten, die das genauso lieben wie ich, ist für mich die absolute Erfüllung. Aber dann denke ich mir auch wieder, dass alles seine Zeit hat.

LvD: Viele kennen deine Bilder von Flow Valley, auf denen deine “Models” und die Berge perfekt in Szene gesetzt sind. Wie viel Aufwand und Zeit stecken in der Planung und Durchführung deiner Aufnahmen? Hast du meist ein ganz bestimmtes Bild im Kopf oder passiert vieles spontan?

Adrian: Das Meiste passiert tatsächlich spontan, weil man an einer Stelle gerade ein schönes Licht hat, oder einfach ein gutes Motiv sieht. Dann wird gelegentlich sogar schnell eine „Abfahrtssituation“ inszeniert, obwohl wir eigentlich gerade noch auf dem Weg nach oben sind. Das heißt aber nicht, dass nicht einiges an Zeit und Arbeit in den Bildern steckt. Eigentlich entstehen alle unsere Bilder im Rahmen von ganz normalen Touren, die wir unternehmen, weshalb ich jedes Mal spontan auf die örtlichen Gegebenheiten wie Licht, Wetter oder Topografie reagieren muss.

“Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass die meisten Bilder ein Zufallsprodukt sind, bei dem ich aber nichts dem Zufall überlasse.”

Aber wenn ich dann ein Motiv „sehe“, habe ich schon eine sehr genaue Vorstellung davon, wie das Bild am Ende ausschauen soll. Und natürlich versuchen wir schon auch, bereits bei der Tourenplanung das Thema „Foto“ zu berücksichtigen: So starten wir z.B. schon auch mal ein paar Stunden früher, um beim Morgenlicht schon in freiem Gelände zu sein und dort das Licht nutzen zu können oder steuern auch mal das etwas weiter entfernte Ziel an, weil da das Wetter verspricht, besser zu sein. Und natürlich nehmen wir uns auf Tour schon auch viel Zeit für die Bilder. Um den richtigen Standort zu finden, zu warten, bis sich eine Wolke vor der Sonne verzogen hat oder auch, um eine Stelle mehrfach zu fahren bis die Positionen der Fahrer auf dem Foto passen. Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass die meisten Bilder ein Zufallsprodukt sind, bei dem ich aber nichts dem Zufall überlasse.

LvD:  Hast du bestimmte Einflüsse für deine Art der Fotografie? Welche Fotografen inspirieren dich für gute Bilder?

Adrian: Es gibt dutzende Fotografen aber auch Maler und bildende Künstler, deren Arbeit ich sehr bewundere und mir unheimlich gerne anschaue. Da gibt es auch kein bestimmtes Genre, auf das ich mich beschränken würde. Ein Andreas Gursky spielt für mich wahrscheinlich genau so eine Rolle, wie ein August Sander, ein Paul Klee oder ein Ai Waiwai. Aber auch Regisseure wie Aki Kaurismäki oder Jim Jarmusch. Sie und viele andere haben ihre Spuren bei mir hinterlassen, aber ich kann jetzt keinen konkreten Namen nennen, von dem ich sagen würde, dass er mich mehr als andere beeinflusst hat.

LvD: Wie wichtig ist dir das Feedback zu deinen Bildern, z.B. über die sozialen Medien?

Adrian: Es freut mich natürlich, wenn ich auf den sozialen Medien positives Feedback zu meinen Bilder bekomme. Aber die Anzahl der Likes ist für mich jetzt kein Indikator für die Qualität eines Bildes. Da ist ein persönliches Gespräch deutlich ergiebiger und wahrscheinlich bin ich sowieso selbst mein schärfster Kritiker.

LvD: Hat dir die Aufmerksamkeit rund um Flow Valley neue Möglichkeiten eröffnet?

Adrian: Die Frage kann ich ganz klar mit „JA“ beantworten. Nachdem die Outdoorszene die sozialen Medien stark nutzt, hat mir meine hohe Präsenz dort auf jeden Fall geholfen, mich auf dem Markt besser zu positionieren und dadurch auch neue Kunden zu gewinnen.

LvD: Denkt man sich bei sehr gelungenen Bildern nicht oft, dass man selbst gerne häufiger vor statt hinter der Kamera sein möchte?

Adrian: Ehrlich gesagt nicht! Wie heißt es so schön: „Schuster bleib bei deinen Leisten.“. Ich denke, dass ich deutlich besser fotografiere, als bike. Und auch weil ich weiß, wie anstrengend es mitunter für die Fahrer ist, bis auf einem Bild alles passt, fühle ich mich in meiner Funktion hinter der Kamera sehr wohl. Außerdem befriedigt es mich auch mehr am Ende sagen zu können: „Das Bild hab ich geschossen.“ als: „Das auf dem Bild bin ich.“.

LvD: Was würdest du machen, wenn du nicht Fotograf geworden wärst?

Adrian: Also das wird jetzt eine sehr hypothetische Antwort, denn der Wunsch, Fotograf zu werden, hat bei mir schon sehr früh bestanden. Deshalb hatte ich auch eigentlich nie einen wirklichen Plan B, sondern habe nach der Schule den Weg zu diesem Ziel mit Praktika, Assistenzen und dem Studium ziemlich straight durchgezogen.
Aber ich hätte mit Sicherheit irgendwas anderes handwerklich-kreatives gemacht. Ich arbeite z.B. sehr gerne mit Holz, das finde ich ein ganz tolles Material. Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, dass Schreiner eine mögliche Alternative für mich gewesen wäre.

LvD: Bei Flow Valley sprecht ihr ja nicht gerne über konkrete Gipfelziele, aber was sind deine oder eure nächsten Projekte/Ideen?

Adrian: Grundsätzlich wird es gerade etwas ruhiger, die großen Projekte sind für dieses Jahr abgehakt. Es stehen für mich noch ein paar kleinere Sachen auf beiden Seiten des Alpenhauptkammes an, wenn das Wetter mitspielt, aber ansonsten werden wir jetzt noch so lange wie möglich die Bike-Saison im FlowValley auskosten. Die letzten beiden Jahre konnte man bei uns ja bis Sylvester phantastisch biken und eigentlich wird es ja auch erst jetzt richtig schön hier: Es ist nicht mehr so heiß, es wird am Berg deutlich ruhiger und die Farben und das Licht sind im Herbst einfach nur der Wahnsinn!

“Außerdem befriedigt es mich auch mehr, am Ende sagen zu können: „Das Bild hab ich geschossen.“ als: „Das auf dem Bild bin ich.“”

Was der Winter dann neben Ski- bzw. Splitboardtouren mit den Dudes sonst noch so bringt, muss sich erst noch zeigen, da stecke ich gerade mitten in der Planungsphase. Aber ein Ziel, das für die nächsten Monate ganz oben auf meiner Liste steht, ist Lissabon – natürlich mit Bike und Fotoapparat.

LvD: Dann ich bin gespannt auf die Bilder. Vielen Dank für das Interview.

 

Adrian Greiter macht nicht nur schöne Bilder von Menschen auf Bergen. Wer mehr von seiner Arbeit sehen möchte, der schaut sich seine Webseite www.adrian-greiter.de an. Und falls ihr noch mehr auf Trails oder Schnee steht, dem ist Flow Valley (Webseite / Facebook) wärmstens empfohlen, wo regelmäßig neue Bilder von ihm zu sehen sind.

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