Thomas

Interview mit Thomas Sacher über die Faszination an Langstreckenläufen, Überwindung eigener Grenzen und Straight Edge.

Streng genommen darf sich jeder als Ultrarunner bezeichnen, der weiter als 42.2km laufen kann. Klingt einfach, ist es aber nicht. Wenn dann noch gerne mal ein paar tausend Höhenmeter und unwegsames Gelände dazu kommen, dann sprechen wir am Ende von einer komplett anderen Sportart als Laufen. Im Interview mit Thomas Sacher.

LvD: Gleich zu allererst will ich erst mal wissen wie du überhaupt zum Laufen gekommen und schließlich bei Ultraläufen gelandet bist?

Thomas: Etwa 1992 habe ich mich entschieden Straight Edge zu werden. Mit dem Entschluss, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und auch nicht rauche, dachte ich mir, dass ich vielleicht auch mal ein bisschen Sport treiben sollte. Ein bisschen persönliche Eitelkeit hat da natürlich auch reingespielt. Zunächst habe ich ein wenig im Fitnessstudio trainiert. Fitnesstraining war irgendwie ok, aber Laufen hatte mir als Kind schon nie wirklich was ausgemacht, das war nie mit großer Anstrengung verbunden, es liegt mir. So habe ich dann von selbst mit dem Laufen begonnen.

“2Es fasziniert mich, wenn man versucht immer an seine eigenen Grenzen zu gehen.”

Von einem Trainer wurde ich dann irgendwann mal zu einem Marathon überredet und so fing das dann bei mir an. Mein erster Marathon war am Rennsteig und irgendwie ja auch schon “Ultra”, weil dieser 43km lang und bergig ist. Dort gab bzw. gibt es auch den Supermarathon mit ca. 75km, der dann 3 Jahre später mein erster echter Ultra war, noch vorm Jungfrau-Marathon, der der Einstieg ins Hochgebirge war. Da war ich infiziert, habe mich informiert, belesen, man sieht die Bilder von Läufern mit großen Rucksäcken und mehreren Trinkflaschen am Körper und da landet man automatisch beim UTMB (Ultra-Trail du Mont-Blanc) oder Marathon des Sables.

Interview mit Langstreckenläufer Thomas Sacher

LvD: Für viele ist ja ein Marathon schon undenkbar oder der Inbegriff einer Qual. Ultraläufe setzen da natürlich noch eins drauf. Worum geht es dir bei Langstreckenläufen persönlich, d.h. was ist deine Motivation?

Thomas: Es fasziniert mich, wenn man versucht immer an seine eigenen Grenzen zu gehen. Man läuft erst einen Marathon, dann macht man irgendwann einen 50 km Lauf und man denkt sich, dass es beim nächsten Mal noch ein bisschen mehr sein könnte. Dann ist es natürlich das Laufen in freier Natur. Was gibt es Schöneres als eine Gegend kennenzulernen zu Fuß. Bei einem richtig langen Utra-Marathonlauf läuft man mitunter schon in die Nacht hinein, läuft die Nacht durch bis es wieder hell wird. Den Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang in den Bergen zu erleben, ist so intensiv. Das ist mit nichts anderem zu vergleichen und sowas macht man im alltäglichen Leben eigentlich auch nicht.

LvD: Kommen wir mal zu den Schattenseiten. Mit welchen Problemen hat man bei Langstreckenläufen zu kämpfen?

Thomas: Es gibt viele Auf und Ab‘s zwischendrin und ich persönlich fange immer erst mal recht vorsichtig an und lasse es vom Tempo langsam angehen. Man weiß nie was passieren wird unterwegs. Im Normalfall, wenn man gut trainiert und vorbereitet ist, steht man sowas gut durch, aber es kann immer etwas schiefgehen. Ich habe mir schon häufiger die Füße wund gelaufen und dann kann es doch recht hart werden so einen Lauf durchzuziehen.

“Es ist natürlich ein gutes Zeitmanagement gefragt. Die Familie muss ein hohes Verständnis dafür aufbringen.”

Die größte Schwierigkeit momentan: Durch den jahrelangen Trainingsalltag ist eine Automatik entstanden, die durch meine aktuelle Verletzung unterbrochen wurde. Das ist die größte Schwierigkeit z.Z. für mich, damit klarzukommen. Man definiert sich ja schon irgendwie über seinen Sport und plötzlich muss man es sein lassen. Das ist hart!

LvD: Wenn du hoffentlich bald wieder fit bist, wie bekommt man denn das Training neben Job und Familie zeitlich hin, um fokussiert auf ein Ziel hinzutrainieren? Das Training ist sicherlich zeitintensiv.

Thomas: Es ist natürlich ein gutes Zeitmanagement gefragt. Die Familie muss ein hohes Verständnis dafür aufbringen. Meine Frau ist hier besonders verständnisvoll. Das Training muss ich vor allem durch meine Schichten auch sehr stark in den Alltag integrieren. Ich habe keine festen Zeiten und muss immer sehen, wo es gerade passt. Ich laufe bspw. 20km zur Arbeit, arbeite dann und laufe dann wieder zurück oder ich lauf spätabends nochmals los, wenn die Kinder im Bett sind, oder mache noch eine Einheit vor der Frühschicht. Ich stehe um 4.30 Uhr auf, damit ich noch 1-1,5 Stunden laufen kann.

 

LvD: Das klingt nach unheimlich viel Disziplin. Wenn du einem Laufaspiranten einen Tipp geben würdest, welchen Rat würdest du ihm/ihr auf den Weg geben?

Thomas: Man sollte die ganze Sache nicht zu ernst nehmen, den Spaß dabei niemals verlieren und in jedem Falle das Laufen genießen. Für viele ist das einfach nicht möglich, weil sie es nicht kennen oder machen können, z.B. aufgrund von einer Behinderung.

LvD: Du hast ja gesagt, dass du schon sehr lange läufst. Was war denn bisher dein bestes Erlebnis, das du mit dem Laufen verbindest?

Thomas: Das allercoolste war natürlich für mich mein erster Transalpinlauf. Ich wusste nicht wirklich was mich erwartet. Ich habe zwar ein bisschen im Vorfeld im Gebirge trainiert, aber die Premiere war trotzdem spannend für mich. Das Rennen muss man im Team machen und ich bin mit meinem guten Freund Rico Majchrak gelaufen. Wir sind beide sehr stark tätowiert, kamen dort an und haben ziemlich bald gemerkt, dass die Leute dort uns gegenüber sehr distanziert waren und haben uns nicht wirklich zugetraut, dass wir dort mehrere Etappen durchstehen. Als die anderen Teilnehmer dann am 2./3. Tag gemerkt haben, dass wir relativ gut mithalten, haben sie uns mit sehr offenen Armen aufgenommen und so sind auch einige Freundschaften entstanden. Natürlich war es auch von der Natur einzigartig, was man dort zu sehen bekommt. Ich war vorher noch nie so lang in den Alpen unterwegs, an so vielen Orten in so wenigen Tagen. Das war schon sehr gigantisch für mich.

Interview mit Langstreckenläufer Thomas Sacher

LvD: Du bist leider selbst momentan verletzt, aber was ist denn für dich dein nächstes Ziel?

Thomas: Dieses Jahr musste ich es leider verschieben, aufgrund einer Schambeinentzündung, was eine Folge von 20 Jahren von ambitionierten Laufsport ist ohne vernünftiges Dehnprogramm. Mein nächstes Ziel aber ist es nochmals den Transalpin, dann zum 3. Mal, zu machen. Diesmal mit einem holländischen Freund, der aus dem absoluten Flachland kommt und mit Hochgebirge eigentlich noch gar keine Erfahrung hat. Da bin ich sehr gespannt darauf. Die Chemie zwischen uns ist echt gut und ich denke, dass wir dann auch sehr viel Spaß haben werden. Ich bin auch jemand, der diese Sachen dann auch nicht 100%ig ernst nimmt. In 2012 habe ich auch mit einem guten Freund den Transalpin gemacht und ich glaube, wir haben in diesen Tagen mehr gelacht als die anderen Teams zusammen. Selbst für Ultras muss man sehr viel Humor mitbringen und auch über sich selbst lachen können, besonders wenn man mal Schmerzen hat. Lachen hilft da schon sehr viel darüber hinweg.
In Zukunft wären natürlich das SPINE RACE oder TOR DES GEANTS noch ambitionierte Ziele.

LvD: Jetzt hätte ich noch eine abschließende Frage, weil mich das sehr an Leuten interessiert, wen sie gerne mal ausfragen würden. Wer würde dir denn da in den Sinn kommen?

Thomas: Anton Krupicka würde ich gerne mal ausfragen, wenn ich die Gelegenheit hätte. Der wirkt sehr inspirierend auf mich.

Danke an Thomas für das Interview!

Thomas ist Mitbegründer der ambitionierten Lauf-/Sportgruppe IRON MIND, deren Mitglieder sich zum großen Teil vegetarisch/vegan ernähren sowie sich einem rauch- und alkoholfreien Leben (Straight Edge) verschrieben haben. Mehr Infos zu IRON MIND gibt es auf Facebook.

(Intro von Chris Zehetleitner)

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