Ohm

Lang ersehnt ist es endlich da. Der Retter für so manche Kletterpaare- das Edelrid Ohm. Hält das Gerät was es verspricht?

In der Kletterhalle stand meine Freundin, wenn sie mich sicherte, bisher an einen Sandsack gefesselt nah an der Wand. Draußen war sie dagegen entweder mit einem mit Steinen gefüllten Rucksack beschwert oder mit einer Bandschlinge an den nächsten Baum gebunden. Natürlich nicht aus Bosheit! Bei einem Gewichtsunterschied von mehr als 15%, kann es den leichteren Sicherer bei einem Sturz des Kletterers leicht von den Beinen reißen. Verletzungen oder Sicherungsfehler sind mögliche Folgen.

Als vor 1,5 Jahren das Edelrid Ohm angekündigt wurde, klang das nach der lang ersehnten Lösung für Seilschaften wie uns. Endlich ist es im Handel erhältlich, daher wollten wir es gleich testen, ob es wirklich der angekündigte “Beziehungsretter” beim Klettern ist.

Produkttest: Was ist das Edelrid Ohm?

Edelrid Ohm im ProdukttestDas Edelrid Ohm ist ein Vorschaltwiderstand, der die Seilreibung beim Klettern erhöht, nämlich dann wenn es nötig ist. Es wird anstatt einer normalen Expresse in den ersten Haken einer Route eingehängt. Es soll das Seil nicht abrupt abbremsen, sondern die Bremskraft bzw. die Handkraft des Sichernden unterstützen und dabei unabhängig von jedem Sicherungsgeräte (Grigri, Tuber etc.) funktionieren. Dem Sichernden soll es damit möglich sein auch dynamisch zu sichern (z.B. Vor- und Zurückgehen), was auch einen höheren Komfort für den Kletterer verspricht.

Erster Eindruck

Edelrid Ohm im ProdukttestDas Edelrid Ohm kommt, typisch für den Hersteller, in Neongelb- bzw. Neongrün daher und wird unverkennbar in der Sicherungskette zu erkennen sein. Auf der oberen Seite ist es ähnlich einer Expresse aufgebaut mit einem normalen Schnappkarabiner und genähter kurzer Expressschlinge. Am unteren Ende hängt über einen Maillon (Schraubenglied) verbunden das Herzstück des Ohms, das massive Konstrukt des Bremskraftverstärkers, das mit Hartplastik verkleidet ist. Auf die robuste Verarbeitung deutet auch das Gewicht des Ohm (ca. 360 Gramm) hin, was auch in gewisser Weise seinen Zweck hat. Dazu aber später.

Im Einsatz

Das Einlegen

Edelrid Ohm im ProdukttestÜber einen gelben Kippschalter öffnet man das Ohm und klappt das Vorderteil nach oben. Dies erinnert nun etwas an ein Petzl Grigri, außer dass das Seil nicht in einem Bogen, sondern gerade von oben nach unten durchgelegt wird, wobei das obere Ende zum Kletterer führt, der dann am besten schon eingebunden ist.Edelrid Ohm im Produkttest Jetzt wieder zuklappen. Das war schon mal ganz einfach. Anschließend kann man den Schnappkarabiner wieder am Gurt einhängen. Aber wie rum und auf welche Seite, wenn das Seil im Gegensatz zu einer Expresse schon eingelegt ist?

Das Seil sollte im Ohm sauber von unten (Sicherer) nach oben (Kletterer) führen. Wer nicht an der ersten Expresse schon das große Zittern bekommen möchte, weil das Ohm nicht richtig liegt, sollte sich die ersten Meter der Route genau überlegen wie man am ersten Haken wohl klippen wird.  Mir hilft es noch am Boden mit dem Ohm den ersten Haken schon mal anzuvisieren, den richtigen Arm auszustrecken und dort in umgekehrter Bewegung das Gerät wieder zum Gurt zurückzuführen und einzuhängen. Mit ein bisschen Übung, kann man jetzt ziemlich sicher sein, dass das Klippen genauso schnell vonstatten geht wie mit eine normalen Expresse.

Edelrid Ohm im Produkttest

Beim Klettern
Edelrid Ohm im ProdukttestNichts. Ehrlich! Man merkt keinen erhöhten Widerstand im Seil oder ein zusätzliches Gewicht. Hier funktioniert das Ohm wie es soll, weil man es jetzt vollkommen vergisst. Weder der Kletterer noch der Sicherer merken das Ohm, außer dass bei ruckartigen Bewegungen im Seil das massive Ohm an die Wand oder den Fels schlägt. Das schnelle Einholen des Seils sollte man ohnehin vermeiden, denn dadurch wird das Gerät, ähnlich wie bei einem Sturz, nach oben gezogen, das Seil rutscht in die Verjüngung und das Seil einholen wird schwer. Sollte dennoch ein leichter Widerstand auftreten und das Ohm langsam noch oben gezogen werden, kommt das Gewicht zum Tragen, denn mit der glatt polierten Innenseite rutscht es wieder in eine waagrechte Position und das Seil liegt nicht mehr in der Verjüngung.

Beim Sichern

Edelrid Ohm im ProdukttestDen großen Vorteil hat der Sichernde. Denn sie oder er genießt endlich ohne Fessel an Baum oder Rucksack die Vorzüge des dynamischen Sichern und kann sich frei unter dem Seil bewegen. Allerdings muss sich der Sicherer an den Umgang mit dem Ohm erst kurz gewöhnen, zwei Dinge sind hier besonders zu beachten: Beim Sicherns mit dem Ohm sollte der Sicherer nicht direkt unter oder vor der Route stehen, sondern etwas schräg zum ersten Sicherungspunkt. Dadurch liegt das Ohm leicht schräg an der Wand wodurch das Seil leichter läuft und das Schlagen des Ohms bei schnellem Seilzug durch den Kletterer vermindert wird. Und falls sich das Ohm doch einmal ins Seil “fressen” sollte, kann man mit leichten Wellenbewegungen im Seil, das Ohm wieder nach unten holen. Das hat man aber sehr schnell raus und kann dann feiern, dass man nicht mehr ständig über einen Sandsack stolpert oder irgendwo angeleint ist.

Beim Sturz

Edelrid Ohm im ProdukttestFür den Kletter macht es hier wenig Unterschied, aber für die Person weiter unten in jedem Fall. Bei einem Sturz wird das Ohm mit dem Seil ein Stück nach oben gezogen, jedoch wird das Seil nicht plötzlich abgebremst, sondern es wird lediglich durch die Verjüngung die Seilreibung erhöht und somit auch die Durchlaufgeschwindigkeit. Selbst beim einem hohen Sturz wird die sichernde Person nicht plötzlich von den Beinen gerissen und hat keine Probleme mehr die schwerere Person zu halten, egal ob man einen HMS-Knoten, Tuber oder Halb-Automaten verwendet.

Beim Ablassen

Gleiches Spiel hier. Als wenn jemand an der Schwerkraft gedreht hätte, lässt sich der Kletterer unverkrampft und federleicht herunterlassen, da durch die nach oben gezogene Stellung des Ohm die Reibung auch hier wirkt. Bevor dieser sich jedoch die ganze Route ablässt, empfehle ich auf Höhe des Geräts kurz zu stoppen, das Ohm über den gelben Kippschalter zu öffnen, das Seil herauszunehmen und anschließend das Gerät aus dem Haken zu nehmen. Wer möchte schon wie bei einer normalen Expresse zur ersten Sicherung nochmal im Free Solo hoch- und wieder runtersteigen? Achtung, wenn man das Ohm, wie beschrieben vorher raus nimmt, kommt dann doch noch einmal das ganze Gewicht des Kletterers zum Tragen und es geht ein paar Zentimeter in die Lüfte.

Fazit

Das Edelrid Ohm wird bei keinem Kletterausflug mehr fehlen, denn es hält was es verspricht. Wer das erste Handling verstanden hat, weiß wie das Gerät richtig einzuhängen ist, und nicht zu hektisch in der Kletterroute am Seil zieht, wird damit glücklich werden. Kletterpaare mit höherem Gewichtsunterschied haben mit dieser Hilfe einen echten Mehrwert beim Sportklettern in der Halle oder am Fels und können das Verletzungsrisiko deutlich reduzieren. Eigentlich fragt man sich warum nicht schon früher jemand auf diese Idee kam?

Einziger Kritikpunkt: Beim Einsatz draußen, wo das Ohm öfters an den Fels schlägt, sieht man relativ schnell Gebrauchsspuren und das Klappern ist etwas laut. Das verwendete Hartplastik dämpft nicht genügend und bekommt auch schnell Kratzer. Hier wäre vielleicht eine gummierte Ausführung von Vorteil. Dies ist jedoch nur ein optischer bzw. akustischer Makel, was aber weder Funktionsweise noch Sicherheit einschränkt.

Das Edelrid Ohm kostet im Handel ca. 120 Euro und ist mittlerweile in allen gut sortierten Kletterläden und Online-Shops erhältlich. Viel Spaß beim Ausprobieren. Schreibt mir doch eure eigene Erfahrung mit dem Edelrid Ohm gerne ins Kommentarfeld.

Quelle: Edelrid

 

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