Laura

Es ist brüchig und vielleicht unberechenbar. Warum würde man auf Eis klettern? Wahrscheinlich macht dies den Reiz aus, denn hier kommt man nur weit mit genauer Vorbereitung und der nötigen Erfahrung.

Interview mit Laura Chmielewski über ihre Leidenschaft das Eisklettern, den Angstfaktor und wie man andere Menschen für diesen Sport begeistert.

LvD: Da dich wahrscheinlich die meisten meiner Leser noch nicht kennen, könntest du dich bitte kurz vorstellen? Wo bist du zuhause, was machst du, um deine Brötchen zu verdienen und vor allem, was sind deine Leidenschaften, wenn es um Outdoor-Aktivitäten geht?

Laura: Hallo allerseits! Mein Name ist Laura Chmielewski und ich komme aus den USA. Wo ich dort zuhause bin, ist ein bisschen schwierig zu sagen… Technisch gesehen wohne ich in Colorado, südlich von Denver, aber ich verbringe ungefähr fünf Monate im Jahr in Wyoming. Vor ein paar Jahren beschlossen mein Verlobter und ich, dass ich die Arbeit wieder reduziere um mich wieder mehr auf das Klettern zu konzentrieren, aber ich bin immer noch freiberuflich tätig und mache meinen Master in Industrial Psychology.

Nun zum guten Zeug, meinen Aktivitäten im Freien! Eisklettern und Mixed-Klettern sind meine großen Leidenschaften, aber ich klettere auch am Fels. Im Winter verbringe ich so viel wie möglich, wenn nicht sogar meine ganze Zeit draußen, um gefrorene Wasserfälle zu jagen. Es ist etwas Wunderbares und Wertvolles so etwas Vergängliches zu erklimmen.

Eisklettern, Drytooling und Mixed-Klettern sind bei weitem meine Favoriten. Mixed-Klettern ist so unglaublich körperlich und gymnastisch. Man fühlt sich wie Spiderman, wenn man über das Dach einer Höhle klettert… ziemlich genial. Ich nehme auch ein wenig an Wettbewerben teil und werde in diesem Jahr im Weltcup antreten, aber ich bevorzuge immer noch auf den großen Bergen in Cody, Wyoming zu sein.

LvD: Eisklettern sieht ziemlich beeindruckend aus, aber wirkt manchmal auch sehr furchteinflößend für mich wegen des zerbrechlichen Eises und manchmal massiven Runouts (Klettern hoch über dem letzten Haken). Wie wichtig ist die Vorbereitung und wie groß ist das Risiko im Vergleich zum normalen Klettern?

Laura: Ahh… der Faktor “Angst”. Ja, Eisklettern kann ziemlich unheimlich sein und lässt dich manchmal zweimal überlegen, aber die Vorbereitung und das Lernen, wie man die Elemente liest, können dein Lebensretter sein. Du gehst nicht raus, wenn es zu kalt ist (weil das Eis zu spröde ist), und du gehst nicht raus, wenn es zu warm ist (ich glaube, du weißt warum), und (neben vielen anderen Dingen) musst du aufmerksam gegenüber dem Schnee sein und Lawinenberichte lesen. Das sind die Dinge, über die die meisten Felskletterer nicht nachdenken müssen, bevor sie sich auf den Weg machen, aber es ist unglaublich wichtig in der Eiskletterwelt.

Für mich ist Eisklettern so unterschiedlich zum normalen Klettern, nicht nur wegen der riesigen Runouts, sondern auch wegen der geistigen Verfassung, in der man sein muss um auf Eis zu klettern. Während die Ausrüstung, die wir platzieren, stark ist und ich darauf vertraue, klettern viele Eiskletterer, einschließlich meiner selbst, mit einer “no fall”-Mentalität. Das heißt, wir klettern keine Touren, die über unseren Fähigkeiten liegen und wir nehmen sicherlich keine Pendelschwünge in Kauf! Beim Eisklettern “versuchst du nicht” einen Aufstieg und hoffst durchzusteigen, nein, beim Eisklettern musst du hoch. Du musst dir deiner Fähigkeiten sehr bewusst sein, Vertrauen in deine Fähigkeiten haben und wissen, wann man von einer zu großen Herausforderung zurücktreten muss. Also für mich ist das Risiko nicht größer oder kleiner als beim normalen Klettern, es ist genau kalkuliert. Aber ohne diese Einschätzungen kann Eisklettern extrem gefährlich sein.

LvD: Das ist interessant. Ich frage mich, wie kannst du deine Fähigkeiten oder Möglichkeiten testen, wenn man nicht wirklich die Option zum Scheitern hat? Gibt es oft die Situation, das du zu dir selbst sagst: “Ich weiß genau, dass ich es kann, aber wenn ich falsch liege, bin ich am Arsch” und du fängst an zu zögern?

Laura: Ich fordere meine Grenzen heraus, aber nur auf eine kalkulierte und informierte Weise. Ich steige vorsichtig in eine Route ein und vergleiche sie mit dem, was ich in der Vergangenheit gemacht habe, und wenn sie nur ein wenig schwerer ist als das, was ich zuvor gemacht habe und ich gut trainiert bin, ziehe ich es durch. Aber das bedeutet nicht, dass ich diese “oh shit” Momente nicht schon gehabt hätte. Normalerweise, wenn diese Momente passieren, schleicht sich nur mein eigener Zweifel ein. Also ich plaudere ich ein wenig mit mir selbst, das klingt dann in etwa so: “Warum hast du Angst? Kannst diesen Aufstieg sicher beenden?” Normalerweise beantworte ich die Frage, indem ich sage, dass ich Angst habe, weil ich nicht konzentriert bin und ja, ich kann diese Route durchsteigen. Allerdings gab es ein paar Momente, in denen ich klar darüber nachgedacht und auch eine Route abgebrochen habe.

Das einzige Mal, dass ich auf einen Aufstieg sehe und sage: “Ich weiß, dass ich es schaffen kann, aber ich bin am Arsch, wenn es schief geht”, ist wenn Lawinengefahr besteht. Lawinen machen mir unheimlich Angst und ich klettere nicht, wenn es irgendeine echte Lawinengefahr gibt.

LvD: Was sind deine persönlichen Ziele beim Eisklettern? Gibt es bestimmte Routen oder Gebiete, wo du gerne klettern möchtest?

Laura: Hmm … Ziele habe ich viele 😊. Aber mein Hauptziel ist es ein sicherer und effizienter Kletterer zu sein. Oh, und ich würde gerne in Europa klettern (hoffentlich werde ich dieses Jahr noch die Chance bekommen). Außerdem hoffe ich im Weltcup mit dabei zu sein, da ich letztes Jahr kurz vor dem Weltcup in den USA die Grippe bekommen habe und absagen musste! Ein weiteres großes Ziel von mir ist es, Mädchen dabei zu helfen, Eisklettern zu lernen. Es ist so ein Männer-dominierter Sport und so viele Mädchen sind zu eingeschüchtert, um es auszuprobieren. Wenn ich nur ein paar Mädchen inspirieren kann, dann bin ich wirklich glücklich.

LvD: Hast du schon Ideen oder bereits Projekte, wie du Mädchen oder anderen Personen helfen kannst Eisklettern für sich zu entdecken oder gibt es schon Initiativen in deiner Region?

Laura: Es gibt zwei Gruppen in Colorado, die daran arbeiten, Mädchen den Zugang zu Outdoor-Aktivitäten zu ermöglichen, und ich hoffe, dass ich mich in einer von ihnen freiwillig engagieren kann, nachdem ich meinen Master-Abschluss gemacht habe. Im Moment versuche ich einfach, Cheerleaderin für Frauen zu sein, mit denen ich in Kontakt komme und biete ihnen Hilfe, Unterstützung und Tipps an.

LvD: Wie bleibst du in der Nebensaison in Form? Gibt es ein spezifische Übungen im Vergleich zum Klettern, wenn es ums richtige Training geht?

Laura: Es gibt eine Nebensaison?!?! Ich mache nur Spaß. Ich mache spezifische Workouts, die für mich vom Alpine Training Center in Boulder, Colorado, entworfen wurden und die mich mich gut fit halten. Ich verbringe viel Zeit im Fitnessstudio und mache Kraftübungen. Ich habe eine Boulderwand, an der ich auch trainiere. Ich mache verschiedene Hänge-Übungen, fahre zum Felsklettern, laufe sehr viel und mache Yoga. Ich trainiere spezifisch von Juni bis November und fange dann an, das Training für die Klettersaison zu reduzieren. Während dieser Zeit bleibe ich während der Woche aktiv, aber ich lasse das schwere Krafttraining sein. Am Ende der Eiskletter-Saison gönne ich meinem Körper eine Pause und mache für zwei Monate nur Yoga und Cardio. Ich fasse für eine Weile keine Eisgeräte an, so dass mein Kopf und Körper eine Chance haben sich neu einzustellen.

LvD: Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir alles Gute für die nächste Saison und drücke die Daumen für die Weltmeisterschaft.

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